Begegnung mit dem späteren Generalfeldmarschall Erwin Rommel in Winterspelt

Erinnerungen von Paul Fink


Zu dieser Zeit kam aus dem Kirchweg, also vom Pfarrhaus her, der Kübelwagen vom Vorabend, dessen Verdeck nun heruntergelassen war. Auf dem Beifahrersitz konnte man nun einen General erkennen, der uns – während der Fahrer sich in den fließenden Verkehr einordnete und im Schritttempo an uns vorbei fuhr – zurief: „Jungs, bleibt von der Strasse, gleich kommen die Panzer!“ Der Wagen bewegte sich dann mit der Kolonne in Richtung Grenze.

Das Wort „Panzer“ löste bei uns Jungen eine Erregung aus. Keiner von uns hatte je einen Panzer gesehen und keiner dachte jetzt mehr daran, in die Schule zu gehen. Etwa 15 Minuten später kam der Generalswagen zurück und hielt uns gegenüber am Kirchweg an. Ein Offizier sprang aus dem Wagen und lief in Richtung Pfarrhaus. Da wir schon ungeduldig auf die ersten Panzer warteten, ermunterten die Mitschüler mich, den General, der im Auto wartete, nach den Panzern zu fragen. Ich nutzte eine Lücke im Verkehr, sprang über die Strasse und sagte: „ Herr General, wann kommen denn die Panzer?“

Der General antwortete: „Bleibt nur von der Strasse, die müssen gleich kommen!“
Fast gleichzeitig hörte man dann das Dröhnen der Panzermotoren und das Kettenrasseln. Inzwischen kam der Offizier mit der Kartentasche zurück und der General fuhr auf die „Buch“, das ist ein Grundstück zwischen dem Raiffeisengelände und dem Aussiedlerhof „Rings“, wo ein Fieseler Storch auf ihn wartete, mit dem er dann von oben den Frontverlauf überblicken konnte. Wir verlegten dann unseren Schauplatz zum „Hoffmanns Jääp“, weil dort durch die Feldgendarmen die Panzerdivision in zwei Gruppen aufgeteilt wurde. Eine Gruppe fuhr durch die „Frollesbach“ nach Auel, Burgreuland, die andere über Hemmeres durch die Our und vor dem Tunnel den Feldweg nach Maspelt über Wemperhardt.

   Rommel war zu dieser Zeit noch ein sehr junger Panzergeneral und hat sich damals ausgezeichnet durch seinen Durchbruch bei Sedan, wodurch der sogenannte Sichelschnitt gelang. Erst einige Zeit später haben wir von Herrn Pastor Jung gehört, dass es der General Rommel war, der in der Nacht vom 9. auf den 10. Mai 1940 bei ihm übernachtet hat.

Dieses Erlebnis habe ich jetzt (2012), nach fast 72 Jahren, aus meiner Erinnerung erstellt.  
                                                                                                       
                                                                                                                  Paul Fink