Dezember 1944 von Kath. Neugebauer, Ihren

Vater und Onkel Paul waren aktiv gediente Männer, die des Kaisers Rock getragen hatten. Unter anderen Auszeichnungen hatten sie Helme und Abzeichen jeder Art aus dieser Zeit. Die waren sorgfältig aufbewahrt worden. Man hatte ja vieles versteckt, aber alles war nicht möglich. Da war dann ein Raub ein gefundenes Fressen für die Amis. Es war ja kaum eine Stelle im Haus, die nicht kontrolliert worden war. Unter anderem hatte Onkel Paul sein Gewehr aus dem Krieg 1914/-18 mit nach Hause bringen dürfen. Davon wussten wir Kinder nichts, das war geheim. Er hatte es auf dem Heuboden, ganz hoch unter dem First auf der Mauer versteckt. Darüber hatte er staubiges Heu gestreut, weil es ja nicht gebraucht wurde. Auch das hatten die Amis entdeckt. Nun war die Aufregung groß. Wir wurden alle befragt, aber keiner wusste was davon. Das Ende vom Lied war, Onkel Paul wurde verhaftet und eine Nacht in der Kirche in Winterspelt festgehalten. Am nächsten Tag sollte er dann ins Gefängnis. Als Herr Pastor Jung davon hörte, hat er sofort vermittelt, einem unbescholtenen Mann das anzutun. Darauf wurde er frei gelassen und wir waren froh und glücklich, unseren lieben Onkel wieder daheim zu haben.. Einerseits hat es ihm doch leid getan, dass er auf diese Weise seine „Braut" hergeben musste. So nannte man zu dieser Zeit das Gewehr, andererseits gesehen, wer weiß, wofür es gut war.

Dann ging allmählich der Krieg seinem Ende zu. Man musste an einen Neuanfang denken. Das war gewiss nicht leicht, nach so viel Not und Zerstörung. Wo sollte man anfangen? Es fehlte an allem, an Vieh, Geräten, Samen, Dünger usw. Dementsprechend gab es auch eine magere, karge Ernte. Im Herbst kam dann auch noch, zu allem Überfluss, der Bockmann (Gerichtsvollzieher) mit der Begründung wir wären im Verzug Steuern zu zahlen. Er müsse pfänden. „Was" sagte mein Mann: „Gehen sie aufs Feld den Wildschaden pfänden und sehen Sie sich das an". „Ja" meinte er, „dann schicke ich einen anderen". „Der pfändet genau so viel wie Sie jetzt gepfändet haben", fügte aber noch hinzu: "Ich bin schwer kriegsgeschädigt und für mein Tun nicht verantwortlich, nun sehen Sie, dass Sie hinauskommen". Dann war es ihm aber doch nicht mehr geheuer. Der ging rückwärts zur Tür hinaus. Warum wohl?.

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