Die ersten Flüchtlinge im zweiten Weltkrieg von Christoph Lenz

Großvater und ich blieben noch ca. sechs Wochen. Meine Mutter hatte die Einquartierung nach dem ersten Weltkrieg noch in Erinnerung. Damals hatte Großvater schon mal Auseinandersetzungen mit den Soldaten. Mutter befürchtete diese auch jetzt. Darum wollte sie zunächst sehen wie alles lief. Wir sollten dann später nachkommen. Entscheidungen die damals auch nicht leicht waren. Die Untätigkeit in fremder Umgebung ließ das Heimweh noch größer werden

Mittlerweile waren schon viele heim gefahren. Wir wollten auch heim und legten den Tag der Abreise fest. Mit unserem Gepäck gingen wir zu Fuß nach Kreiensen zum Bahnhof. Unterwegs kam uns der Kreisleiter aus Prüm in Uniform mit einem PKW entgegen. Er hielt an und wollte wissen wohin wir wollten. „Heem“ sagte mein Großvater. „Warum das denn?“ fragte der Kreisleiter. „Hey jet jo net satt ze äßen“. Er ließ uns dann doch ziehen und wir kamen nach einer langen Zugfahrt kurz vor Allerheiligen zu Hause an. Unser Haus war voller Soldaten und in den Ställen standen Militärpferde. Man gewöhnte sich aneinander. Bei manchen ging es einfacher, bei manchen war es auch schwieriger. Wir haben noch oft von dieser Zeit erzählt und hatten noch lange Briefkontakt mit einigen Soldaten, die uns nach dem Krieg noch besucht.