Begegnung mit dem späteren Generalfeldmarschall Erwin Rommel in Winterspelt

Erinnerungen von Paul Fink

Am 9.Mai 1940, als der bevorstehende Einmarsch in Belgien jedem bewusst wurde, (am Nachmittag hatten die Infanteristen 60 Schuss scharfe Munition empfangen) standen wir in Gruppen von etwa zehn Leuten an diesem Platz und es kann gegen 22.00 Uhr gewesen sein, als ein Kübelwagen – so nannte man die Personenwagen der Wehrmacht, die mit einem Verdeck aus Zeltplane ausgestattet waren – bei uns anhielt und ein Begleitoffizier uns fragte, wo ein Nachtquartier für den Herrn General zu finden sei. Einer aus der Gruppe meinte, dass dies am Besten bei der Poststelle Wirtz zu haben sei. Die Familie Wirtz galt als etwas Vornehmer und war in dieser Zeit wohl auch am Besten möbliert. Gleichzeitig sagte einer aus der Gruppe: „Paul, lauf schnell vor dem Auto her und zeig den Herren den Weg!“

Natürlich kam ich dieser Aufforderung sofort nach und lief vor dem Auto bis zum Anwesen Wirtz ; es war ja auch nicht weit. Nach meinem Klopfen erschien die Frau Wirtz, und als ich ihr den Grund meines Besuches sagte, erwiderte sie, ich sollte die Herren zum Pastor bringen, weil ihre Räume für einen General nicht gut genug seien.

   Danach erklärte ich dem Fahrer den Umweg und sagte ihm, dass ich ihn neben der Kirche am Kriegerdenkmal erwarten würde. Ich selbst nahm den Fußpfad zwischen Wirtz und der Kirche. Am Pfarrhaus (Härenhous) benutzte ich den Glockenzug, und als der Herr Pastor Jung erschien, sagte ich ihm den Grund meines späten Besuches.

   Nun stellte sich der Begleitoffizier vor, und mein Auftrag war zu Ende. Ich ging daraufhin zu unserer Gruppe zurück, und nachdem ich den Ablauf hinreichend erklärt hatte, ging ich bald danach zu meiner Schlafstätte.

Als ich am 10.Mai morgens meine Stallarbeiten gemacht und gegessen hatte, machte ich mich auf den Weg zur Schule. Beim Hause Palzer – das Haus Palzer lag fast genau an der Stelle, an der der „Renkenschuster“ Jänen Michel sein Haus mit der neuen Schusterwerkstatt erbaut hat – standen zu dieser Zeit schon etliche Leute, die sich die auf die Grenze zufahrenden Militärkolonnen ansahen.

 

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